Annette Meyer
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Übergänge7. Oktober 2026 · 4 Min.

Wenn etwas zu Ende geht: Übergänge als Raum für Neues

Zwischen dem Alten und dem Neuen liegt oft eine Zeit ohne Antworten. Warum gerade dieses Dazwischen so wertvoll ist — und was mich die Hospizarbeit über Übergänge gelehrt hat.

Sonnenblumen im warmen Gegenlicht des späten Sommers, dahinter das dichte Laub einer Esskastanie

Im späten Sommer stehen die Sonnenblumen noch in voller Kraft. Das Licht fällt schon tiefer und wärmer und lässt ihre Blätter von innen leuchten, als wollte es alles noch einmal ganz sichtbar machen. Und doch neigen sich ihre Köpfe langsam — schwer von dem, was in ihnen gereift ist. Sie halten nicht fest an der Blüte. Sie geben weiter, was in diesem Sommer gewachsen ist: ein Ende, das den Samen für etwas Neues schon in sich trägt.

Diesem Dazwischen begegne ich in meinen Begleitungen immer wieder, besonders bei Frauen. Viele haben über lange Zeit viel getragen: Familie, Beruf, die Sorge um andere. Dann verändert sich etwas. Die Kinder gehen ihre eigenen Wege, eine berufliche Rolle fühlt sich nicht mehr stimmig an, ein vertrauter Lebensabschnitt geht zu Ende. Und plötzlich ist eine Frage da, die lange keinen Platz hatte: Wofür möchte ich meine Kraft eigentlich einsetzen? Etwas ist zu Ende gegangen. Etwas Neues ist noch nicht da.

Das Dazwischen aushalten

Unser Alltag ist auf Lösungen ausgerichtet. Wer in einer Übergangsphase steht, hört schnell Sätze wie „Jetzt entscheide dich doch endlich“ — von anderen oder von der eigenen inneren Stimme. Doch Übergänge lassen sich selten beschleunigen. Wer zu früh nach der nächsten Antwort greift, findet oft nur die naheliegendste, nicht unbedingt die stimmige.

Das Dazwischen ist unbequem. Es kann sich nach Stillstand anfühlen, nach Unsicherheit, manchmal auch nach Verlust. Und doch ist es die Zeit, in der sich sortiert, was bleiben darf und was gehen möchte. Hier wird spürbar, was lange getragen wurde — und welche eigenen Bedürfnisse, Wünsche und Fragen wieder Raum brauchen.

Manchmal beginnt Wachstum genau dort, wo eine Frage wieder Raum bekommt — noch bevor es eine Antwort gibt.

Was mich die Hospizarbeit über Übergänge lehrt

Seit 2018 begleite ich ehrenamtlich Menschen und ihre Angehörigen in der ambulanten Hospizbewegung Münster — an einem Übergang, der sich nicht mehr verändern lässt. Dort habe ich gelernt, wie wichtig es ist, Menschen in ihrer eigenen Geschwindigkeit zu begegnen. Nicht jedes Gefühl braucht sofort eine Erklärung, nicht jede Frage eine Antwort. Manchmal besteht Begleitung einfach darin, da zu sein.

Und noch etwas zeigt sich dort immer wieder: An den Übergängen des Lebens wird besonders deutlich, was einem Menschen wirklich wichtig ist. Beziehungen. Dankbarkeit. Dinge, die noch gesagt werden möchten. Diese Klarheit ist nicht dem Lebensende vorbehalten. Sie kann sich in jedem Übergang zeigen — wenn wir ihr Zeit und einen geschützten Raum geben.

Drei Fragen für die stilleren Wochen

Vielleicht mögen Sie die ruhiger werdende Jahreszeit nutzen, um auf Ihr eigenes Jahr zu schauen. Diese drei Fragen können Sie dabei begleiten:

  • Was darf gehen? Welche Aufgabe, Rolle oder Erwartung hat sich überlebt — auch wenn sie lange dazugehört hat?
  • Wofür bin ich dankbar? Welche Menschen, Momente und Kraftquellen haben mich in diesem Jahr getragen?
  • Was braucht wieder Raum? Welcher Wunsch oder welche Frage ist im Alltag zu kurz gekommen?

Es geht nicht darum, sofort Antworten zu finden. Schon das ehrliche Hinschauen verändert etwas — und manchmal entsteht daraus mehr Vertrauen in den eigenen Weg, als man erwartet hätte.

Wenn Sie gerade selbst an einem solchen Übergang stehen, beruflich oder persönlich, und sich dafür einen geschützten Raum wünschen, begleite ich Sie gern ein Stück. In einem kostenfreien Kennenlerngespräch können wir in Ruhe schauen, was Sie gerade brauchen.

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Annette Meyer
Zertifizierte Supervisorin · Coachin (EASC)